Im Netz der Veränderung

Wir sind umgeben von Wiederholungen, wiederkehrenden Gedanken und bekannten Mustern. Sie bilden das Fundament für kreative Veränderung.

 

 

Das Netz

Wir treten vor die Tür. Eine Gruppe bauchfreier T-Shirts schwebt über die Straße, aus den Handys tönt eine Musik, die im weitesten Sinne an Rap erinnert. Man erkennt sie am exzessiven Autotune-Einsatz. Auf dem Weg in die Stadt fliegen große, quadratische, abwechselnd verglaste oder betonierte Quader vorbei. – Erlebnisse aus einer mitteleuropäischen Großstadt. Die Beschreibungen dürften als universal durchgehen. Sie lauern hinter jede Ecke. Doch hinter diesem Netz aus vertrauten Beobachtungen steckt mehr als nur ermüdende Wiederholungen.

„Patterns“ lassen sich überall entdecken. Auch im Duden, der das englische Wort mittlerweile übernommen hat und seine Bedeutung weiter fasst als die des deutschen Wortes „Muster“. Patterns, das sind „regelmäßige Sequenzen, in denen ein bestimmtes Handeln erkennbar wird“ wie auch das Oxford Dictionary meint. Ob groß oder klein, sie begegnen uns auf alltäglichen Wegen, in der Kunst, Musik, Architektur, aber auch in der Kulinarik und unserem eigenen menschlichen Verhalten. Und oft fallen uns die wiederholten Elemente gar nicht auf.
 

Die Veränderung

Dass alle Ideen und innovativen Konzepte nur aus dem eigenen Denken entstanden seien, ist eine verlockende Vorstellung. Es würde bedeuten, dass wir komplett unabhängig und unbeeinflussbar sind. Doch wieder legt sich über diesen Gedanken das Netz des Bestehenden und bittet darum, ihm seinen würdigen Anteil zuzusprechen. Es hat dazu allen Grund. Denn natürlich können wir uns dem bereits Vorhandenen nicht komplett verschließen. Kreativität beginnt im Kopf und dieser Kopf schaut abwechslungsweise aus dem Fenster, in ein Buch oder auf ein buntes Display.

Wiederkehrende Muster sind das Korsett, in dem sich Veränderung und Kreativität erst entfalten können. Eine neue Idee kann nicht von heute auf morgen in eine gewohnte Umgebung gestoßen werden. Sie muss eingebettet, angebunden und langsam in die Welt getragen werden. Man könnte auch sagen, dass neue Ideen und Gedanken die Löcher füllen, die im Netz vorhanden sind. Dort verbinden sie sich mit ihrer Umgebung, bekommen neue Bezugspunkte und füllen die Vergangenheit mit persönlichen Erfahrungen. Auch wir haben bereits Künstler vorgestellt, die im Netz der Veränderung ihre Löcher gefunden und neu ausgefüllt haben. Jamie Edler oder Takashi Murakami haben nicht das Rad neu erfunden, sondern aus ihren eigenen Erlebnissen und kulturellen Erfahrungen ihre Persönlichkeit und Gegenwart mit der Vergangenheit verbunden.

 
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Alles ist in Bewegung, die Bahnen sind frei. Doch erst ein Rahmen macht die Entfaltung möglich – wie auch die Animation von Timothy J. Reynolds zeigt.

Das Netz der Veränderung

Es ist gleichsam erfüllend und inspirierend, die Verbindungen zu entdecken, die uns umgeben. Wir leben in ihnen und gleichzeitig bilden wir sie auch. „Verhaltensmuster“, „Denkmodell“ – diese Definitionen von Pattern zeigen, dass das Netz aus unseren Vorstellungen entstanden ist und widerspiegelt, wer wir sind, welche Ideale wir verkörpern und welche davon die Zeiten überlebt haben.

Das Abtauchen in die Öffnungen des Netzes ist eine Reise in die Vergangenheit, bei der wir feststellen, dass es ebenso wenig komplette Unabhängigkeit wie auch Uniformität geben kann. Die Öffnungen sind vielfältig und definieren Persönlichkeiten. Lassen wir uns fallen in das Netz der Veränderung.